Das Leben, eigentlich der Vermieter, hat mich heute nach drinnen geschickt. Hausarrest sozusagen, weil hier Handwerker arbeiten müssen. Montag das Haus nicht verlassen müssen ... es könnte so schön sein. Nur leider ist das hier nicht als Pause wie ein Mini-Retreat gemeint, sondern als Drinnen‑Zwang.
Beim Dutzend habe ich jetzt aufgehört zu zählen... es geht seit fast sieben Stunden nur so: Türen auf, Türen zu, reinlatschen, raushatschen. Und natürlich gab es kurz nach sieben erstmal kräftige Schritte quer über meine Yogamatte, die natürlich auch mitten im Wohnzimmer liegt, weil sie dort - natürlich! für! mich! - einfach hingehört.
Klar, ich hätte am liebsten denjenigen genauso gefaltet, wie ich es später mit der Yogamatte und der Erkenntnis getan habe, dass ich mir das ja hätte denken und vorbeugen können. Ich mache später, wenn die Matte wieder ausgerollt ist, auch noch mindestens eine Vorbeuge, denn angeblich beruhigen die.
Yoga off the mat
Vielleicht steckt in solchen Momenten mehr Yoga als je auf der Matte samt Klangschale statt Bohrhammer stattfinden könnte. Wenn wir nicht entscheiden können, dass, wann oder wie etwas passiert, können wir immer noch entscheiden, wie wir damit umgehen. Und das ist vielleicht eine der ehrlichsten Formen von Yoga: nicht die perfekte Haltung oder die ausgefeilt kuratierte Stunde auf der Matte, sondern die Fähigkeit, im Chaos des Alltags einen Atemzug zu finden, der uns wieder einen Schritt näher zu uns selbst bringt.
Ich merke spätestens bei solchen Gelegenheiten, wie impulsiv meine erste Reaktion oft ist. Ein innerliches (oft auch geäußertes) „Was zur Hölle?!“ ist meist meine schnelle, laute, genervte Erst-Reaktion. Und dann kommt nach einer Weile die zweite Reaktion, die leisere. Die, die erst auftaucht, wenn ich einmal tief durchgeatmet habe. Sie ist weicher, freundlicher, aber nicht weniger klar.
Reagieren oder agieren?
Und auch das kann Yogapraxis jenseits der Matte sein: nicht perfekt zu reagieren, sondern bewusst. Nicht das Außen bestimmen zu lassen, wie es in uns aussieht. Nicht so zu tun, als müssten oder würden wir fremde Fußspuren auf der eigenen Yogamatte oder ähnliches mögen, sondern durchzuatmen und es erstmal anzunehmen, wie es ist. Agieren statt reagieren. Aber es ist auch, einfach mal zu akzeptieren, dass man nicht immer wie von uns selbst (oder anderen) gewünscht reagieren kann.
Und so fleißig wir Savasana, die Totenstellung, im Yoga üben, müsste uns ja allen klar sein: Es ist ja alles am und im Leben temporär. Auch Baustellen, Lärm, Staub. Genervtheit sowieso, ebenso Miss- und Miststimmungen.
Vielleicht macht uns das ein bisschen weiser und auch ein bisschen weicher. Und wenn nicht, dürfen wir auch das mit mehr Gelassenheit annehmen. Annehmen ist ja nicht gleich hinnehmen!
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