Leise(r)treten auf dem Weg
Es gibt so Phasen im Leben, in denen wir wachsen beziehungsweise etwas wächst, ohne es bewusst zu planen. So war das in den letzten fünf (!!!) Jahren in meinem Yogabusiness. Ich habe mehr Stunden gegeben, mehr Angebote entwickelt, mehr Workshops gegeben, mehr Menschen begleitet und zwar im Sinne von, dass ich selbst erst irgendwann gemerkt habe, dass all das größer geworden ist, als ich es ursprünglich konkret geplant hatte. Es war ein schönes, lebendiges, kraftvolles Wachstum - und zwar im Gesamten aus dem Flow heraus, ein Wachstum wie ein "einfach so".
In dieser Zeit bin ich aber immer wieder auch an den Punkt gekommen, dass ich doch Pläne über den Flow gesetzt habe, um das Wachstum zu forcieren. Ich saß zum Beispiel immer wieder mit dem Kalender da und habe Zeiten geplant, in denen ich noch mehr machen kann für noch mehr Wachstum im Yogabusiness. Ich habe dabei selbst - entgegen allem, was ich sonst anderen predigen würde - Kalendertetris gespielt und jede Lücke mit irgendwas im Businesskontext gefüllt, ob nun Yogastunden geben oder Weiterbildung, ob nun Buchhaltung oder Websitepflege. Gefühlt war alles gefüllt.
Fühlen statt Füllen für mehr Fülle
Vor ein paar Tagen bin ich 42 Jahre alt geworden. Geburtstagstage sind ein Marker mindestens, manchmal eine Zäsur. An meinem Geburtstagstag habe ich mir erlaubt, mal wieder einfach in diesen Tag hineinzuleben. Ausschlafen (naja, bis 6.57 Uhr exakt), ausgiebig frühstücken (im Restaurant), durch die Stadt schlendern, in Buchhandlungen versacken wie andere in der Kneipe (wieder etliche Euro ärmer und einige Bücher reicher), Käffchen trinken und lecker Essen, ab auf die Yogamatte, ab auf die Couch. Spätestens mit diesem Geburtstagstag habe ich deutlich gemerkt, dass mich das neue Lebensjahr gerade wieder zu etwas mehr Flow und weniger to do animieren und ich das nicht überhören möchte.
Es geht nicht um einen Stopp, sondern um ein Innehalten. Ich brauche mehr Frei-Zeiten ohne to do-Liste beziehungsweise das Gefühl, sofort wissen zu müssen, wie es weitergeht und was der Plan ist. Vielleicht liegt es an der 42 und nahezu Lebensmitte (ich möchte 100 werden, meine Lebensmitte ist also erst noch), vielleicht liebt es überhaupt nicht an diesem Marker. Dieses neue Lebensjahr fühlt sich für mich an wie ein Raum, der nicht sofort gefüllt werden möchte, sondern gefühlt. Und wenn schon füllen, dann so: Ein Lebensjahr mehr darf ein Ja mehr zum Leben sein!
Savasana jenseits der Matte
Ich merke, dass ich dafür ein bisschen langsamer werden muss. Wachstum ist wunderbar, aber es kann auch herausfordernd sein. Nicht im Sinne von „zu viel“, sondern eher wie bei einer intensiven Yogastunde: Der Körper ist ganz warm, der Atem richtig weit, die Energie spürbar hoch und ein Gefühl von "So könnte ich ewig weitermachen" ist da ... Genau da ist richtige und wichtige Moment erreicht, in dem man sich in Savasana sinken lässt. Rein ins „Nichtstun", es mal gut sein lassen und einfach nur sein.
Und vielleicht ist das das eigentliche Geschenk an diesem Punkt meines Lebens wieder mal zu merken, dass Wachstum nicht nur darin besteht, größer zu werden, sondern auch darin, bewusster zu wählen, wohin die Reise gehen darf - eben als Reisende und nicht Touristin, mit einem Ja zum neuen Leben(sjahr) und allem was dazu gehört.
Kommentar hinzufügen
Kommentare