Und da war es, dieses Störgefühl. Ein Gefühl von „da fehlt noch was“. So wie bei einem Essen, in dem einem eine Komponente fehlt, ohne dass man diese näher benennen könnte. Tief drinnen, im eigenen Bauchgefühl, da spürt man einfach nur, dass noch etwas fehlt. Die Sache ist nicht rund. Da ist etwas nicht stimmig.
So fühlte ich mich neulich nach einer Yogastunde, die ich für mich selbst gebucht hatte. Ich mache das regelmäßig als Mix aus Fortbildung, Selbstfürsorge, und manchmal auch einfach, um nicht zu vergessen, wie es ist, selbst Teilnehmerin zu sein. Meistens gehe ich danach beseelt raus. Diesmal ging ich raus wie nach einem Kantinenessen: voll gestopft, aber nicht genährt. Ich war durch die Stunde keineswegs in Harmonie gebracht, sondern wie aus der Balance gefallen, obwohl ich sicher eine Minute im Baum gestanden hatte als wäre ich eine alte Eiche, unumstößlich und fest.
Es waren nicht nur die Leerstellen ihrer Lehre.
Es war der fehlende Faden.
Vielleicht ist es auch dieses fest sein. Fest sein in meinen Erwartungen an eine Yogastunde und an die Lehrperson. Fest vor allem auch in den Erwartungen an mich und meine Arbeit als Yogalehrerin.
Die Stunde, die ich besucht hatte, war nicht rund. Etwas fehlte, mir jedenfalls fehlte etwas und anderen, das sah man an den Gesichtern, auch. Technisch vielleicht war es der Mangel an Modifikationen. Zu keiner Asanas wurden Varianten vorgeschlagen. Rechts und links mehrfach verwechseln? Geschenkt! Wenn Chirurgen rechts und links verwechseln, ist das problematisch, bei Yogalehrenden finde ich das eher noch sympathisch - weil echt, weil da jemand ist, der nicht wie ein Yogavideo einfach einen Flow abspult.
Läuft wie ein Youtube-Video
Doch hier schien sich genau das, nämlich ein Programm, abzuspulen. Vorne auf der Matte war jemand, der Yoga vormacht und entweder man macht mit oder man schaut zu. Wie ein Youtube-Video, nur leider ohne Pausetaste. Diese Art Yogastunde zeigt sich vor allem im Mangel an Blick für den Raum und die, denen man ihn halten sollte. Das tat diese Yogalehrende nicht. Sie war da. So wie es das Klischee will. Mit weicher Singsangstimme, sie hatte Räucherstäbchen und Klangschalengong und so weiter.
Aber sie war nicht so da, um den Raum zu halten. Sie hatte nicht mal ein Gespür für den Raum. Die Matten dicht an dicht, alle belegt. Und doch leitete sie Raum greifende Asanas an, sodass man sich immer wieder ins Gehege kam und gegenseitig berührte, wo man es nicht wollte. Das konnte sie nicht sehen, zu starr blieb dafür ihr Blick auf der eigenen Yogamatte. Zu sehr war sie im Modus des Vorturnens gefangen. Zu starr war sie in den Anleitungen, die zu Anweisungen wurden mangels der Alternativen.
Diese Yogastunde wirkte nach. Stunden später noch dachte ich darüber nach. Tage später sogar noch. Ich stellte fest: Es waren nicht nur die Leerstellen ihrer Lehre. Es war der fehlende Faden, der alles zusammenhält. Das Erlebte war keine Einheit, die fein gewebt ist, sondern es sah nur wie Yoga aus.
Es liegt an mir!
Ich glaube, ich bin inzwischen so sehr daran gewöhnt, dass eine Yogastunde nun mal nicht nur aus Asanas besteht, sondern aus einem Geflecht aus Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Aufrichtigkeit, Präsenz, Wärme und einem Blick, der immer wieder sagt: „Ich sehe dich.“ selbst wenn ein Dutzend anderer im Raum ist. In diesem Fall war es, als hätte jemand die äußere Form einer Yogastunde und das Klischee einer Yogalehrerin erfüllt, aber nicht den inneren Auftrag. Als hätte jemand die Hülle hingelegt, aber den Inhalt vergessen.
Vielleicht ist es auch das: Ich bin so empfindlich geworden für Authentizität, meine Ansprüche daran sind so hoch. Mein Anspruch auf dieses subtile, aber kraftvolle Gefühl, wenn jemand wirklich da ist und wirklich so ist, wie er ist. Nicht perfekt, nicht übertrieben spirituell, nicht mit Singsangstimme, sondern einfach präsent, Raum haltend, wach, souverän und zugewandt. Jemand, der Mensch ist und Menschen sieht - und sie nicht nur ansieht oder gar durch sie hindurch, an ihnen vorbei, über sie hinweg.
Beziehungslose Bewegung
Vielleicht ist das der eigentliche Kern meines Störgefühls gewesen: dass Yoga ohne Beziehung einfach nur Bewegung ist. Und wenn das fehlt, dann fehlt mir mehr als eine Modifikation oder eine alternative Anleitung. Dann fehlt (mir) das Herz der Stunde. Dann fehlt (mir) das, was Yoga ausmacht: die Verbindung. Die Einladung. Die Möglichkeit, sich selbst zu begegnen.
Vielleicht war ich deshalb hungrig. Nicht nach mehr von dieser Art der Yogastunde, nicht nach mehr Übungen, sondern nach mehr Echtheit. Nach einer Lehrperson, die führt statt vorzuturnen. Die Menschen sieht statt sie nur an oder sogar durch sie hindurch zu sehen. Die Raum hält statt ihn nur mit Duft zu füllen.
Vielleicht suchte ich doch nur jemanden, der für mich so da ist, wie ich es gerne für andere bin?!
Hinweis: Meine Erkenntnisse aus dieser Erfahrung sind ein angestoßener Prozess, der dazu dient, zu reflektieren, was ich noch verbessern kann. Ich möchte betonen, dass es mir nicht darum geht, hier zu urteilen oder zu lästern, sondern darum, mich daran zu erinnern, wie ich selbst meine Yogastunden geben möchte.
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