Praxis ist Part des Jobs

Fast sechs Jahre gebe ich nun schon Yogastunden. Dass es mit dem einzelnen Zeitpunkt, ob nun 60 oder 90 Minuten, im Stundenplan noch nicht getan ist, ist vielleicht auch noch nicht jeder Person bewusst - darf es aber: Ich bereite Yogastunden vor, ich bereite Yogastunden nach. Ich räume Räume ein, ich halte Raum, ich räume hinterher auf. Ich kommuniziere mit Teilnehmenden. Ich pflege diese Homepage. Ich kümmere mich um die Buchhaltung. Und ums Marketing. Ich bin die CEO, die Managerin und das sprichwörtliche "Mädchen für alles"... 

Was dabei manchmal leider zu kurz kommt, obwohl es eigentlich einer der wichtigsten Parts des Procederes ist, ist die eigene Yogapraxis. Die muss natürlich nicht immer auf der Yogamatte stattfinden, denn Yoga ist bekanntlich so viel mehr als Asanas und Yoga körperlich praktizieren, sondern es ist eine Erfahrungswissenschaft und gelebte geliebte Lebensphilosophie - aber ja, die eigene Yogapraxis körperlicher Natur ist für mich ein wichtiger Part meines Jobs, obwohl es ja eigentlich Freizeit sein sollte.

Das heißt: Mal besuche ich Live-Klassen anderer Yogalehrerinnen in ihren Studios, mal praktiziere ich online zu Live-Klassen oder auch Aufzeichnungen anderer Yogalehrerinnen, und mal praktiziere ich ganz für mich allein auf meiner Yogamatte. Mal vergeht eine Stunde, mal nur ein paar Minuten Mattenzeit.

Ich bin mein größter Störfaktor

Und ich stelle dabei immer wieder fest, wie schwer es für mich geworden ist, auch mal wieder aus meinem Jobdenken rauszukommen. Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass mein Kopf mitdenkt, überdenkt, umdenkt mit "Ah, das könnte ich auch mal so probieren", "Oh, das wäre was für meine Teilnehmerin XY", "hui, das wirkt so gleich ganz anders" oder was mir sonst so in den Sinn kommt.

Gar nicht mal so selten, stehe ich während meiner eigenen Yogapraxis auf und hole meine Notizen und Stifte. Oder ich lege sie gleich neben der Yogamatte bereit, damit ich mir den Weg spare und meinen Hintern konsequent auf der Matte behalte. Wenn ich das tue, verliert meine Praxis jedoch an Tiefe und ich habe das Gefühl, mich selbst immer wieder rauszureißen. Meine größte Herausforderung ist es also, einfach nur mein Yoga zu machen und aus meinem Yogalehrerinnenkopf in den Schülerinnenkörper zu kommen. 

Denn ich weiß ja - practice what you preach -, wie wichtig es ist, auch mal abzuschalten, also auch mal trotz aller Berufung den Beruf hinten anzustellen und sich selbst ganz auf oberste Priorität zu setzen. Auch wenn Yoga für mich nicht nur Beruf, sondern Berufung ist (zu der eben Jobs wie das "Mädchen für alles" gehören), ist die Pause vom Yogalehrerin sein in Form der eigenen Praxis ein wirklich wichtiger Part.  

monkey mind-Mindset dreht sich

Denn: Wenn ich auf meiner Yogamatte bin, schöpfe ich daraus nicht nur Inspiration, sondern vor allem die größte Kraft, um für andere die Yogalehrerin sein zu können, die ich sein möchte. Auf meiner Yogamatte tanke ich auf, sortiere meine Gedanken und bringe sie auch mal zur Ruhe, ich finde in Balance, ich komme wieder bei mir an.

Und ja, ganz nebenbei entstehen genau dort eben viele der Impulse, die später wieder in meine eigenen Yogastunden einfließen können. Nur trage ich sie am besten im Herzen und nicht als Notizen mit mir herum. Es macht für mich einen großen Unterschied, ob ich einfach mal eine auch von mir selbst ungestörte Praxis habe oder mich selbst davon abhalte, weil mein Gedankenkarussell auf Yogalehrerin gepolt ist.

Am besten tut mir meine eigene Yogapraxis dann, wenn sie mich immer wieder dahin zurückführt, wie es sich anfühlt, genau wie alle anderen einfach nur ein Mensch auf der Matte zu sein.

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